FINNLANDREISE

Geschichte der Reise

Die Reise unternahmen vier Personen: Adolf Wriggers, seine Freundin Marie, ein Freund nebst Freundin, die Lehrerin war. Deshalb mußten sie in den großen Ferien fahren. Außer einer Generalkarte hatten sie leichtsinnigerweise keine Navigationsmittel wie z. B. Kompass oder Fernrohr mitgenommen. Neben  ihren Booten und Gepäck hatten die Vier eine Kiste Apfelsinen mitgenommen, denn sie aßen vegetarisch.

Entstehung des Kalenders

Aus dem Gedächtnis schuf Adolf Wriggers in Hamburg sechs Wochen nach der Finnlandreise,  gewissermaßen als Erholung nach der Arbeit des Tages, das Finnland-Bilderbuch ''28 Tage Ferien''. Es hat die Form eines Kalenders, bei dem zu jedem Ferientag Erlebnisse in drei bis fünf, kaum handtellergroßen Bildern (Aquarellen) festgehalten sind.

Reiseerlebnisse

An Bord fand die Besatzung schnell Gefallen an den Künstlern, und bald schon wurden sie eingeladen, mit ihnen in der Messe zu speisen; sie wurden richtig verwöhnt. Bei der Rückreise hatten sie das Glück, mit dem selben Schiff zu reisen.

Eine Nacht schliefen sie in der Jugendherberge, wo sie einen ganzen Saal für sich hatten.

Adolf hatte auf mehreren vorangegangenen Reisen Erfahrungen mit dem Faltbootfahren gesammelt; seine Freunde in dem anderen Boot nicht. Sie waren darum etwas vorsichtiger und trauten sich nicht so weit vom Land weg.

Auf einer größeren Insel blieben sie mehrere Tage und streiften dort herum, sie sammelten Kochgeschirre voll herrlichster Waldbeeren.

In Savonalinna besichtigten sie die berühmte Burg. Adolf erkletterte die höchste Spitze der Eisenbahnbrücke, von wo er einen wundervollen Blick auf Stadt und Umgebung genoß. Er zeichnete und schuf dann ein Aquarell davon, das in Hamburg sofort für die damals beachtliche Summe von 150 Mark verkauft wurde.

Die Navigation war nicht so einfach. Sie folgten nach Möglichkeit den Dampferlinien, die sich nach weit voneinander entfernt liegenden Markierungen an Felsen - oft schon reichlich verwittert - richteten.

Bei jedem Zelten wurden die Malutensilien hervorgeholt und Aquarelle geschaffen. Einige Male übernachteten sie in Häusern. Sie fuhren so weit nach Norden, bis sie die Mitternachtssonne zu sehen bekamen. Überall fanden sie Blaubeeren zum Sattessen.

Nach einer Übernachtung in einem Bauernhaus stand Adolf Wriggers vor dem Spiegel und rasierte sich. Dabei pflegte er immer zu singen. Mit einem Male entdeckte er, daß die ganze Familie andächtig zuhörend hinter ihm stand. Natürlich machten sie sich auch mit der berühmten finnischen Sauna bekannt: eine alte Frau heizte si ein und peitschte sie anschließend auch noch  tüchtig durch; dann ging es zum erfrischenden Bad in den See. ''Da fühlt man sich ja wie neugeboren'', schwärmt Adolf Wriggers heute noch.

Bei der Schleuse des Maaminka Järvi, die gleich neben den Stromschnellen lag, lud der Schleusenwärter sie in sein Haus ein. Seine Frau hatte eine festliche Tafel gedeckt, sie hatte ihr gutes finnisches Porzellan und schöne Silberteller auf dem handgewebten Tischtuch aufgetragen. Natürlich gab es frischen Lachs, so viel jeder wollte. Die Fische drängten sich an den Stromschnellen bei der Wanderung stromaufwärts so dicht, man hätte sie vom Faltboot aus greifen können, so viele waren dort. Beim Sprung über die Stromschnelle hüpften sie dem  Schleusenwärter regelrecht in den aufgehaltenen Ketscher. Die Enttäuschung der Hausfrau war groß, daß Adolf Wriggers keinen Fisch aß. Sie erlebten hier eine Gastfreundschaft, so herzlich, wie sie ihnen in Deutschland von Unbekannten noch nicht widerfahren war. Die Hausfrau verwöhnte sie mit selbstgemachter Butter und selbstgebackenem Brot. Adolf Wriggers sang zum Dank ein Lied. Traurig stand dann beim Abschied die ganze Familie an der Schleuse und winkte noch lange den vier Deutschen nach, mit denen sie sich doch kaum verständigen konnten; denn Adolf Wriggers hatte in Hamburg nur einige wenige Worte Finnisch gelernt und der Schleusenwärter verstand weder Deutsch noch Englisch. Für die weitere Reise gaben die Gastgeber ihnen noch Brot und Butter mit, eine Bezahlung lehnten sie entrüstet ab.

Auf der Rückreise übernachteten sie in Turku in einem katholischen Hospiz; auch hier siegt die berühmte finnische Gastfreundschaft, man kontrolliert ihre Pässe nicht und erfuhr so auch nicht, daß die beiden Paare nicht verheiratet waren.

Sie hatten auf der Reise gut gelebt, aber Dank der großartigen Gastfreundschaft wenig Geld ausgeben müssen.